Irmtraut
Warner
Übungswege
zum klangvollen Sprechen
nach
Schlaffhorst-Andersen
Diese
Aufzeichnungen sind für meine Schüler; sie sollen an
Erlebtes erinnern.
Ohne Unterricht und Kontrolle aber sind die Übungsanweisungen
nicht zu
verstehen, zumal jeder Mensch andere Schwierigkeiten hat, die erkannt
und verbessert werden müssen.
Zunächst
schlage ich vor, daß Sie die schriftlichen
Ausführungen durchlesen.
Da
sich ein Gedanke aus dem vorigen ergibt, können Sie
chronologisch
vorgehen und eins nach dem anderen üben. Sie können
sich aber auch
einzelne Themen vornehmen, die für Sie selbst besonders
wichtig sind.
Entscheiden Sie das selbst. Ich rate Ihnen nur, sich eine
längere Zeit
mit den zu dem gewählten Thema gehörenden
Übungen zu beschäftigen.
Bleiben Sie so lange bei einer Übung, bis Sie spüren,
daß Sie nicht aus
innerer Unruhe wechseln, sondern weil Sie etwas entdeckt, erlebt,
verstanden haben. Suchen Sie Ihr Thema im Alltag, machen Sie sich
Klang, Atem und Bewegung bewußt, und wenden Sie das Entdeckte
an, so
oft es Ihnen möglich ist.
Der
erste Teil beschäftigt sich mit der Muskelspannung und der
Atmung. Ich spreche zunächst die ausgewogene Muskelspannung an.
Danach geht es um die Atembewegung und den Atemrhythmus. Es folgen Atemübungen im
Liegen. An das Liegen schließe ich das Thema Atem und Bewegung im Stehen an und
Atem und Bewegung im Sitzen.
Der
zweite Teil befaßt sich mit dem Erlebnis der
inneren Räume bei Einsatz der Stimme. Sie werden die inneren Räume
bei Einsatz der Stimme erleben, wenn Sie die verschiedenen Sprachlaute
ausprobieren: die Vollklinger, die Halbklinger, die Strömungskonsonanten, die Explosive und die
Vokale. Anschließend können Sie Atem-
und Lautbildungen beim Sprechen ausprobieren.
Ausgewogene
Muskelspannung
Unser
Körper ist der Klang- und Schallraum für unsere
Stimme. Also muß
zunächst das Körper-Instrument richtig eingestellt
werden, denn nur ein
durchlässiger, frei atmender Körper kann die Stimme
tragen.
Sorgen
Sie für einen ruhigen Raum und eine Zeit, in der Sie nicht
gestört
werden. Es ist nützlich, jeden Tag zur gleichen Zeit zu
üben, dann
richtet sich der Körper auf einen festen Rhythmus ein, was die
Wirkung
der Übung verstärkt.
Was
die einzelnen Abschnitte des Ubungsprogramms und die Zeit anlangt, die
Sie dafür brauchen: richten Sie sich ganz nach Ihren
Bedürfnissen.
Bleiben Sie jedoch so lange bei jeder Übung, bis Sie
spüren, daß Sie
weitergehen können. Erst dann beginnen Sie die
nächste Übung und finden
heraus, wieviel Zeit Sie dafür benötigen, bis Sie
abermals
fortschreiten können.
Versuchen
Sie nicht, etwas zu erzwingen: wichtig ist ‚ daß Sie zur Ruhe kommen,
bei sich ankommen.
Legen
Sie sich auf den Boden oder auf eine Liege mit fester Unterlage.
Zunächst
dehnen und räkeln Sie sich tüchtig durch: lassen Sie
sich Zeit dafür.
Vermeiden Sie harte, ruckartige Bewegungen. Nun spüren Sie auf
der
Unterlage den ausgestreckten Körper im Ganzen. Die Beine
liegen
ungefähr eine Handbreit auseinander entsprechend dem Abstand
der
Sitzhöcker. Die Zehen fallen ein wenig nach außen.
Die Arme ruhen etwas
entfernt vom Körper.
Vertrauen
Sie sich der Schwerkraft an: Sie werden getragen.
Versuchen
Sie die ganze Gestalt Ihres Körpers zu sehen. Jeder Mensch hat
ein
Körperbild von sich, mehr oder weniger deutlich.
Wie
deutlich ist Ihr Bild?
Die
Haut mit ihrem Tast- und Fühlsinn ist unser
größtes Sinnesorgan. Sie
umgrenzt den Körper, gibt ihm seine Gestalt, und sie atmet.
Über die
Haut nehmen wir Kontakt zu unserer Umwelt auf. Sie vermittelt zwischen
Außen und Innen, zwischen Außenwelt und Innenwelt.
Als
ob Sie durch die Kleidung den Boden berühren könnten,
fühlen Sie den
Kontakt der Haut mit der Unterlage. Das ist eine sehr gute
Möglichkeit,
Überspannung abzugeben.
Versuchen
Sie festzustellen, wo der Kontakt mit der Unterlage nicht gelingt, ohne
es gleich ändern zu wollen. Wo verhindern Spannungen,
vielleicht sogar
Schmerzen, das Auf liegen? Registrieren Sie das nur, ohne es gleich
ändern zu wollen.
Nehmen
Sie vom Becken ausgehend wahr, wie Ihr Rücken auf dem Boden
aufliegt, besonders das Kreuz.
Vom
Becken ausgehend spüren Sie Ihr rechtes Bein. Wie ist der
Hautkontakt
oder der Abstand zur Unterlage vom Oberschenkel, von der Kniekehle, vom
Unterschenkel, von der Fessel, von der Ferse, vom Fuß und
schließlich
von den einzelnen Zehen? Bewegen Sie die Zehen etwas ‚ um
sie besser wahrzunehmen, und spüren Sie den Kontakt der Haut
mit dem
Strumpf. Danach spüren Sie das ganze Bein auf einmal und
vergleichen es
mit dem linken Bein. Stellen Sie Unterschiede fest.
Beschäftigen
Sie sich nun mit dem linken Bein, indem Sie wieder vom Becken ausgehen:
Oberschenkel, Kniekehle, Unterschenkel, Fessel, Ferse, Fuß
und Zehen.
Danach
spüren Sie beide Beine auf einmal. Liegen sie in gleicher
Weise auf der Unterlage?
Nun
den Rücken:
Nehmen
Sie vom Becken ausgehend wahr, wie Ihr Rücken jetzt auf dem
Boden
aufliegt, besonders das Kreuz. Vielleicht hilft es Ihnen, eine kleine
Rolle unter die Knie zu legen - zumindest für die erste
Zeit.
Wie
breit liegt Ihr Rücken auf? Können Sie die
Wirbelsäule am Boden spüren?
Fühlen Sie die Breite der Schulterblätter den
Schultergürtel und auch
den Nacken? Erkennen Sie den Abstand der Halswirbel vom Boden?
Erfühlen
Sie den Kontakt der Arme zum Boden, so wie zuvor bei den Beinen. Gehen
Sie von der rechten Schulter aus; dann zum Oberarm, zum Ellbogen, zum
Unterarm, zum Handgelenk, zur Hand und zu jedem einzelnen Finger. Es
ist vorteilhaft, einen Tennisball mit der Hand zu
umschließen. Falls
nötig, bewegen Sie die Finger ein wenig, um sie besser
wahrzunehmen.
Fühlen Sie nun den ganzen Arm? Vergleichen Sie dieses
Gefühl mit dem
des linken Armes und üben Sie nun mit dem linken, wie zuvor
mit dem
rechten. Vergleichen Sie das Gefühl beider Arme miteinander.
Jetzt
zum Kopf. Fühlen Sie seine Rundung auf der Unterlage,
fühlen Sie, wie
der Kopf wie in eine Schale gebettet ist. Die Augen fallen zu. Weich
und ruhevoll sind Ihre Augen nach innen gerichtet. Entlassen Sie die
Spannung aus dem Unterkiefer so weit, wie es Ihnen gelingt.
Zum
Abschluß sehen Sie sich noch einmal als Ganzes daliegen.
Haben
Sie jetzt ein anderes Körperbild von sich als zuvor?
Dehnen
und strecken Sie sich - kraftvoll,
einfühlend und weich; das ist nach dieser
Bewußtseinsarbeit nötig.
Sie
sollten zunächst diese erste Übung so oft
wiederholen, bis sie Ihnen vertraut ist.
Atembewegung
Lassen
Sie Ihren Atem zunächst gehen, wie er will. Ob Sie liegen,
sitzen oder
stehen, die Innenräume Ihres Körpers nehmen den Atem
auf. Wo spüren
Sie, daß Sie von innen nach außen gedehnt werden?
Wird der Atem
irgendwo festgehalten? Er sollte durchgängig sein - das erreichen wir durch unsere
Übungen immer mehr.
So
wie bei der Sinuskurve die oberen und unteren Pole rund sind, so sollen
auch die Übergänge von der Einatmung zur Ausatmung
und von der
Ausatmung zur Einatmung rund sein. Die abfallende Kurve - also die Ausatmung mit der
wichtigen anschließenden Lösung - ist länger und weniger
steil als die aufsteigende - also die Einatmungskurve.
Es
ist günstig, bei jedem zweiten oder dritten Atemzug die
Zungenspitze beim Einatmen ganz kurz hinter die Oberzähne zu
legen - so
nimmt die Nase Luft auf, ohne sie zu ziehen oder zu holen. Weiten Sie
die Nasenflügel, als wollten Sie den Duft einer Rose
genießen. Damit
erreicht die kühlere Außenluft blitzschnell die
oberen Nasengänge bis
in die Stirnhöhlen. Sie werden die sehr erfrischende Wirkung
spüren.
Der
Kopf wird augenblicklich durch die Sauerstoffzufuhr hell, weit und
wach. Die Lungenftügel dehnen sich bis zu den Flanken.
Nach
und nach werden Sie auch während des Sprechens auf diese Art
Luft aufzunehmen nicht mehr verzichten wollen.
Bei
der Ausatmung lösen Sie die Zungenspitze; dann fällt
die Zunge herunter
bis hinter die Unterzähne und der Atemhauch strömt
weich und warm
heraus. Lassen Sie dabei den Kiefer fallen; die Wangen werden schwer,
der Mund öffnet sich von selbst.
Die
warme Luft füllt den ganzen Mundraum.
Wenn
Sie so eine Weite geübt haben, kommt die Luft aus immer
tieferen
Lungenschichten und wird dadurch immer wärmer. Verfolgen Sie
diese
Wärme bis in die Backentaschen hinein, um die Zähne
herum zu Unter- und
Oberkiefer bis zum Gaumensegel. Hier, an dieser Verengung, beginnt der
Rachen mit der Luft- und der Speiseröhre.
Auch
dort können Sie die Wärme der Luft spüren.
Begleiten Sie diese Wärme
die Luftröhre hinunter bis zu den Stimmbändern im
Kehlkopf; schließlich
durch den Kehlkopf und die Stimmbänder hindurch zu den
Bronchien. Der
Hals wird dabei weit und warm - wie ein Schal liegt dann die
Wärme um Ihren Hals. Es ist auch eine gute Übung bei
Halsentzündung.
Nach
jeder Ausatmung lösen Sie den Kiefer: Sie lassen den
Unterkiefer
fallen. Allmählich können Sie sich vorstellen,
daß die warme Luft
tiefer sinkt, bis in die Brustmitte. Stellen Sie sich einen warmen
weichen Wattebart vor, der vom gelösten Kiefer
abwärts fällt.
Üben
sie immer weiter - und
lassen Sie sich Zeit dabei; es wird schließlich gelingen, die
Bauchdecke des Unterbauchs zwischen Bauchnabel und Schambein zu
spüren
und die Wärme auch dort zu empfinden. Dann löst sich
die Bauchdecke.
Die damit einhergehende Entspannung der inneren Organe vermittelt das
Gefühl, als falle die Bauchdecke nach innen - zum Rücken.
Erwarten
Sie die unwillkürlich einsetzende Einatmungsbewegung im
Innenraum Ihres
Körpers. Erleben Sie, wie sich in der Körpermitte
unter der Lunge eine
Kraft sammelt - das
Zwerchfell hat sich gespannt, auch - und
besonders - hinten
unten. Im Zusammenspiel mit den Zwischenrippenmuskeln und den
Rippenhebern erweitert sich der Brustkorb. So sammelt sich
die
Spannung fürs Tun.
Sie
sind umhüllt von der Wärme, die Ihr Leib ausstrahlt.
Wenn es Ihnen
gelungen ist, die ausgestrahlte Wärme zu spüren,
beziehen Sie diese
warme Lufthülle in die Ausatmung mit ein.
Es
wird einige Zeit dauern, bis Sie das Ziel dieser Übungseinheit
mehr oder weniger erreicht haben. Haben Sie Geduld!
Atemrhythmus
Leben
ist Bewegung und vom Rhythmus bestimmt. Jedes organische Geschehen ist
ein rhythmisches Geschehen. Schlatfhorst-Andersen entdeckten die
rhythmischen Wechselbeziehungen im Ablauf der am Atmen beteiligten
Organe. Das gilt also nicht nur für die Hauptatmungsorgane
Zwerchfell
und Lunge, sondern ebenso für alle kleineren Muskelgruppen,
wie zum
Beispiel die Artikulationsorgane.
Die
Lebensbewegungen sind rhythmisch geordnet und gewinnen daraus ihre
Kraft. Allerdings nur in dem Maße, wie die Ordnung in den
rhythmischen
Prozessen nicht verletzt wird.
Der
Atemrhytmus stellt sich, abgelesen an den Hauptatmungsorganen
Zwerchfell und Lunge, folgendermaßen dar:
bei
der Einatmung
- Zwerchfell: Zusammenziehung,
Spannung
- Lunge: Ausdehnung, Füllung
bei der
Ausatmung
- Zwerchfell: Streckung, Abspannung
- Lunge: Zusammenziehung, Verwertung
der Fülle
bei der Pause
- Zwerchfell: Lösung,
Ausschwingen
- Lunge: Lösung, Nachgeben
werchfell
und Lunge sind also Antagonisten, wobei das Zwerchfell die
führende
Rolle hat. Die Pause, das Nachgeben oder die Lösung haben Sie
gemeinsam.
Wenigstens
einige Male am Tage schließen Sie Ihre
„alltäglichen” Bewegungen bewußt
an den Atemrhythmus an. Auch wenn Sie das nur ab und zu tun,
löst diese
Konzentration allmählich Verkrampfungen unterstützt
den Kreislauf sowie
alle inneren Funktionen und beruhigt die Nerven. Wenn Sie morgens in zu
großer Eile sind, schalten Sie solche Besinnungsphase im
Laufe des
Tages oder abends ein.
Sie
werden allmählich aufmerksamer Ihrer Natur gegenüber
und werden mehr auf sich acht geben.
Wenn
Sie nur die Hand heben, atmet es unwillkürlich ein. Die
unwillkürliche
Einatmung, die nicht unbewußt zu sein braucht, ist die
natürliche
Spannung vor dem Tun. In der Abspannung im Ausatmen wird die gewonnene
Kraft ins Tun umgesetzt.
Atemübungen
im Liegen
Um
das Hohlkreuz und damit die oft fehlende Atembewegung im
Kreuz-Lendenbereich auszugleichen, ziehen Sie Ihre Knie an und stellen
die Füße etwas breiter auf: lockern Sie die Knie.
Heben
Sie nun ganz wenig das Becken, indem Sie die letzten Wirbel anrollen,
so daß das Kreuz mehr aufliegt. Während Sie
zurückrollen, atmen Sie aus
offenem Mund aus.
In der
Ruhestellung des Körpers können Sie in der freien
Atmung die Wirkung der Übungen erleben.
Nun
heben Sie das Becken etwas höher bis zu den Flanken. Setzen
Sie dazu
genauso an wie zuvor. Lassen Sie das Becken zurückgleiten.
Atmen Sie
dabei aus wie zuvor.
Lassen
Sie jetzt den Atem wieder frei und spüren Sie, ob die
Einatmung nun bis zu den Flanken geht.
Indem
Sie die Wirbelsäule von unten hochrollen lassen, heben Sie
jetzt den
Körper bis zu den fest aufliegenden Schultern.
Zurückrollend atmen Sie
wieder aus offenem Mund aus.
Bei
dieser dreiteiligen Übung füllt sich das
Körpergefäß von der
Beckentiefe allmählich bis in den oberen Lungenbereich merkbar
mit Luft.
Zum
Schluß atmen Sie langsam auf “Pffff...“ aus
und versuchen dabei, mit der von selbst einsetzenden Einatmung ihre
ganze Kreuzesbreite fest auf der Unterlage zu spüren; schieben
Sie den
Untergrund weg. Behalten Sie den Kontakt mit dem Boden und lassen Sie
mit “Pfff...“ die
Beine zurückgleiten. Noch immer fühlen Sie Ihre
Unterlage mit dem ganzen Rücken.
Wenn
der gesamte Rücken und das Becken aufliegen, geben Sie
eventuell noch vorhandene Spannungen an den Boden ab.
Damit
auch die Wirbel zwischen den Schulterblättern bewegt werden,
umfassen
Sie im Liegen nun beide Ellbogen kreuzweise mit den Händen.
Strecken
Sie die so umfaßter, Arme in Verbindung mit der
unwillkürlichen
Einatmung weit von sich. Die Wirbelsäule macht dann einen
Katzbuckel
gegen die Unterlage.
Mit
der Ausatmung legen Sie die Arme zurück. Falten Sie die
Hände unter dem
Hinterkopf und heben Sie den Kopf in dem Sie den Nacken gegen die
Unterlage dehnen. So können Sie alle Stellen Ihrer
Wirbelsäule in
Verbindung mit der Atmung bewegen.
Als
Abschluß strecken Sie mit der unwillkürlichen
Einatmung - Kiefer fallen lassen, damit keine
Stauung in der Kehle entsteht - gleichzeitig Arme und Beine.
Nachdem
Sie diese Übungen zum Beispiel morgens vor dem Aufstehen
gemacht haben,
warten Sie die nächste unwillkürliche Einatmung ab -es ist die
natürliche Spannung vor dem Tun -- und
richten sich mit der Ausatmung auf. Die darauf folgende Einatmung gibt
Ihnen den Schwung die Beine anzuheben und die Füße
ausatmend
aufzusetzen. Mit der nächstfolgenden Einatmung stehen Sie
ausatmend auf.
Damit
sind Sie mit dem Aufstehen bereits angeschlossen an Ihren
natürlichen
Atemrhythmus, was Ihrem Gleichgewicht für den ganzen Tag
nützt.
Atem
und Bewegung im Stehen
Vorbereitung:
Eine allseitige freie Atmung ist nur bei richtigem Aufbau des
Körpers möglich.
Sie
haben gewiß gemerkt: beim Strecken nach oben, atmet
“es“ ein, beim
Senken der Arme, atmet “es“ aus und die
Luftfülle, die Sie nach oben
gesammelt haben, fließt durch den ganzen Körper bis
in die Füße zurück.
Dehnen Sie sich mit hoch gestreckten Armen sehr weit nach oben, dann
senken Sie langsam die Arme.
Flankendehnung:
Führen Sie einen Arm über den Kopf, Ihre Flanke wird
in der Seitenbeuge
weit gedehnt, öffnen Sie dazu leicht den Mund, es atmet dabei
ein - ausatmend führen Sie den
Arm zurück.
1.
Füße in Hüftbreite stellen.
Beide
Fußsohlen auf dem Boden spüren. Abwechselnd rechte
und linke Fußsohle
belasten, ohne die Füße zu heben. Der Bewegungsdrang
wird etwas größer.
Bei der Hin- und Herbewegung ziehen Sie die Fußsohlen vom
Boden ab und
stellen dabei die Füße etwas breiter auseinander.
Beschleunigen Sie das
Tempo und verlagern Sie das Körpergewicht rascher von rechts
nach links
und wieder zurück. Der Körper bleibt dabei
aufgerichtet und kippt nicht
nach den Seiten ab. Verringern Sie nach einer Weile wieder das Tempo
und die Breitstellung der Füße, bis die
Füße wie anfangs in Hüftbreite
stehen. Nachspüren!
2.
Lassen Sie Kopf, Nacken, Schultern, Arme, Oberkörper
allmählich
herunter, Wirbel für Wirbel. Lassen Sie die Eigenschwere
wirken. Denken
Sie nur an Dehnung, zerren oder federn Sie sich nicht herunter. Die
Knie müssen locker gestreckt bleiben, die Hände
streben etwas fort von
den Füßen. Das Gewicht des Körpers ruht auf
dem Mittelfuß. Der Fuß
bildet eine Brücke. Lassen Sie sich so eine Weile
hängen und beachten
Sie die Atembewegung im tiefen Rücken. Richten Sie sich in der
umgekehrten Reihenfolge allmählich wieder auf.
3.
Knie aneinander vorbeiführen, sehr einfühlend - ein Knie nach vorne schieben, das
andere nach hinten durchstrecken - mehrmals.
Dann weichere, kürzere Bewegungen der Beine aneinander vorbei,
immer
kleiner werdend, bis zur Ruhestellung. Nachspüren.- Wiederholen.
4.
Bewegen Sie die Schultern in sanft kreisenden Bewegungen, beginnend von
vorne oben nach hinten. Können Sie wahrnehmen, wie die
Schulterblätter
sich immer wieder annähern und entfernen? Der Brustkorb wird
gehoben
und geweitet, das Brustbein hebt sich.
Die
Schultern sind gelöster. Schwer hängen jetzt die
Arme. Beachten Sie die
unwillkürliche Atembewegung. Wiederholen Sie diesen Ablauf
mehrmals.
Strecken Sie den Nacken. Holen Sie das Kinn etwas heran. Die Augen sind
geradeaus gerichtet.
Heben
Sie den Kopf mit leicht schraubender Bewegung aus dem
Schultergürtel heraus.
5.
Die Arme hängen, dem Eigengewicht und der Schwerkraft folgend
mit
gestrecktem Ellbogengeienk und gelösten Fingern. Lassen Sie
erst ganz
kleine Bewegungen, dann sich langsam vergrößernde
Schwingungen eines
Armes zu. Allmählich wird die Bewegung wieder kleiner. Lassen
Sie den
Arm von allein zur Ruhe kommen und gehen Sie zum anderen Arm
über.
Wenn
der Körper richtig aufgebaut ist, können die Arme
frei schwingen.
Das
Schwingen Im Stehen
Nach
diesen Übungen steht der Körper leicht bewegt in
geringer
Sehrägstellung nach vorne. Das Gewicht des Körpers
ruht auf dem
Mittelfuß über dem Fußgewölbe.
Die Tendenz zum Vor- und Zurückschwingen
kann nach jeder Übung aufgenommen und die Schwingungslinie
etwas
vergrößert werden. Die Füße
müssen fest auf dem Boden aufliegen, nur
die Fesseln sind gelöst. Versuchen Sie, den Körper
als Einheit zu
empfinden, einem Baum gleichend, der vom Wind bewegt wird. Suchen Sie
wieder den Ruhepunkt über der Fußsohle:
über dem Ruhepunkt kann der
Körper locker aufgerichtet stehen.
Haltung
ist bewegtes Gleichgewicht der Körpersäule
über der
Uriterstützungsfläche. Es ist immer ein Suchen nach
dem Gleichgewicht,
kein Anhalten.
Durch
das sogenannte Schwingen wird der Körper als Einheit erlebt,
der nur um
das Zentrum (das Zwerchfell) und den inneren Schwerpunkt in der Mitte
der Tiefe des Beckens wie beim Stehaufmännchen schwingt.
Hierbei stellt
sich die tragende Wirbelsäule allmählich in ihrer
natürlichen Krümmung
richtig auf. Der Körper trägt sich in sich selbst,
wird durchlässig und
fühlt sich - ist
der Ausgleich erreicht - schwer
und leicht zugleich an.
Abgesehen
davon, daß diese Ein-Stellung einen ungestörten
Stimmeinsatz
ermöglicht, erleichtert sie längeres Stehen, ohne
unnötig zu ermüden.
Auch
alle anderen Bewegungen kann man aus der Schwingung
entwickeln:
die
kreisende Bewegung um den Mittelpunkt herum, die rhythmische BeweQung
aus dem Mittelpunkt und zu diesem zurückkehrend, wobei die
innere
Aufrichtung und der Atem ungestört bleiben. Der Atem folgt der
Bewegung. wird und bleibt rhythmisch. Auch die einfließende
Stimmbandbewegung wird so vom Atem getragen.
Die
schwingende, kreisende und rhythmische Bewegung sowie der Atem und die
Stimmbandbewegung gehören zu den fünf
Regenerationswegen der Schule
Schlaifhorst-Andersen.
Atem
und Bewegung im Sitzen
Die
Haltung im Sitzen sollte aufgerichtet und nicht
“gerade“ sein. Suchen
Sie den Ausgleich zwischen Schwerkraft und Aufrichtungskraft.
Sie
können durch folgende Hilfen in sich selbst ruhend sitzen:
Heben
Sie je einen Oberschenkel mit beiden Händen leicht an und
lassen ihn
locker wieder zurückfallen Atmen Sie dabei auf einem kleinen
“Pfff“...
aus. Die Füße bilden zu denn Unterschenkeln einen
rechten Winkel ebenso
die Unterschenkel zu den Oberschenkeln und die Oberschenkel zum
Körper.
Die Knie streben etwas auseinander.
Suchen
Sie nun die Verbindung von Fußfläche und Boden.
Versuchen Sie die
Vorstellung zu benutzen, daß die Füße in
den Boden hineinsinken könnten.
Die
Fußsohlen breiten sich in ihrer ganzen Breite und
Länge auf dem Boden
aus. Der Boden kommt den Füßen entgegen,
trägt sie. Fußfläche und
Bodenfläche verbinden sich.
Lassen
Sie sich Zeit, um das zu spüren.
Wenn
Sie so weit sind, versuchen Sie in ähnlicher Weise ihre
Sitzfläche auf
der Stuhlfläche zu spüren. Die
Gesäßmuskulatur gibt nach und breitet
sich auf dem Stuhl aus. Es ist so als ob der Stuhl dem
Gesäß
entgegenkommt. Sitzfläche und Stuhlfläche verbinden
sich. Sie werden
eine allgemeine Schwere im unteren Bereich merken. Meistens
spüren Sie
dann nur noch eine Ebene, die sich zwischen
Fußfläche und Sitzfläche
befindet, in Höhe der Knie.
Benutzen
Sie nur die vordere Hälfte des Stuhles und setzen Sie sich so
darauf,
daß Sie sich etwas vor den Sitzhöckern aufrichten.
Dadurch wird der
ganze Oberkörper mit dem Becken etwas nach vorne
geführt, ca. 10 Grad.
Unwillkürlich streckt sich der Rücken schon vom Kreuz
an über die
Wirbelsäule bis zum Scheitelpunkt des Kopfes, dem
höchsten Punkt des
Körpers. Um genau zu wissen, wo dieser Scheitelpunkt ist,
verlängern
Sie in der Vorstellung die Wirbelsäule durch den Kopf. Sie
käme an dem
Punkt heraus, den wir Scheitel nennen. Stellen Sie sich vor,
daß der
Kopf an diesem Punkt wie an einer seidenen Schnur behutsam zur Decke
gezogen wird. Dann hat der Kopf die richtige Haltung und
Wirbelsäule
und Nackenmuskulatur sind entspannt.
Das
gleiche tun Sie in der entgegengesetzten Richtung.: verlängern
Sie das
Kreuzbein sozusagen als drittes Bein durch den Stuhl etwas nach hinten
unten, wieder ca. 10 Grad. Versuchen Sie, nach oben wie nach unten eine
gute Streckung zu erfahren.
Die
Fußflächen, angefangen von den Fersen bis zu den
Zehen senken sich
gleichsam in den Boden, von dem sie getragen werden. Die Hände
ruhen
ausgestreckt auf den Oberschenkeln und nehmen dort Kontakt auf. Die
Ellbogen haben Gewicht.
Zuletzt
noch einmal den ganzen Körper wahrnehmen, der sich vor den
Sitzhöckern
aufrichtet mit dem verlängerten Kreuzbein und den
verlängerten
Scheitelhaaren.
Suchen
Sie diese Sitzhaltung im Alltag immer wieder einzunehmen, bis Sie Ihnen
selbstverständlich wird.
Das
Schwingen im Sitzen
Aus
dieser Haltung sind Sie über den runden Sitzhöckern
leicht beweglich.
Schwingen Sie nach beiden Seiten hin und her. Die Gewichtsverlagerung
findet über den Sitzhöckern statt. Diese Bewegung
vergrößern Sie, bis
Sie schließlich, nun durch die Tiefe des Beckens, wie eine
Wiege, von
einem zum anderen Sitzhöcker schwingen.
Drücken
Sie den leweiligen Sitzhöcker kräftig nach unten,
indem Sie sich
gleichzeitig über ihm ausatmend aufrichten: abdrücken
mit
Explosivkonsonant p, t oder k, aufrichten mit fff... sss...,
schschsch... nach Ihrer Wahl. Die Einatmung ereignet sich also bei dem
Schwung nach der anderen Seite. Beim Aufrichten bleibt der
Oberkörper
mit der stabilen Mitte aufrecht.
Schließlich
wieder leicht hin und her schwingen, Schwingungslinie
verkürzen und den
Mittelpunkt zwischen rechts und links suchen.
Ebenso
leicht vor- und zurückschwingen. Prüfen Sie, ob Sie
beim Vorschwingen unwillkürlich ausatmen.
Nun
von beiden Sitzhöckern gleichzeitig herunter
abdrücken und ausatmend
hochkommen wie vordem beim Hochkommen über den einzelnen
Sitzhöckern.
Nachhauch mit Kieferlösung nicht vergessen! Der
Körper richtet sich
unwillkürlich etwas vor den Sitzhöckern auf.
Schulter-, Nacken- und
Bauchbereich sind locker, der Rücken gut gestreckt. Es ist so,
als ob
der Kopf vom Rücken her gehoben wird.
Im
Kreuzpunkt der beiden Bewegungslinien rechts und links, vor und
zurück, liegt ihr Aufrichtungspunkt.
Schwingen
Sie kreisend im ganz kleinen Radius um ihren Mittelpunkt herum.
Beginnen
Sie dazu leise auf mmm... zu summen. Schließen Sie dazu weich
die
Lippen. Der Radius wird allmählich ein wenig
größer werden. Der
Drehpunkt der kreisenden Bewegung liegt in den Hüftgelenken.
Lassen Sie
die Bewegung kleiner werden und kreisen Sie zurück zum
Mittelpunkt
Ihres Beckens.
Nach
der anderen Seite kreisen Sie in gleicher Weise. Spüren Sie
nach, ob
Sie den Atemansatz und die mmm-Schwingungen deutlicher in der Tiefe des
Beckens spüren.
Über
dem Aufrichtungspunkt liegt die stabile Mitte ihres Körpers.
Die
Griechen erlebten diese Mitte in lebendig umfassender Weise und hatten
deshalb eine gemeinsame komplexe Bezeichnung für Zwerchfell,
Atem,
Mitte, Bewußtsein und Seele.
Schwingen
Sie in kurzen Schwingungslinien an die Peripherie dieser
Körpermitte,
die Sie wie ein breiter stützender Gürtel
umfaßt.
Tun
Sie das in alle nur möglichen Richtungen, so als
wären Sie ein
allmählich zur Ruhe kommendes Stehaufmännchen. Das
Stehaufmännchen hat
auf der Basis ein Bleigewicht, durch das es nie umfallen kann. Genauso
sollte sich der Atem auf das tief gestellte Zwerchfell,
seitwärts gegen
die unteren Rippen der Flanken und hinten gegen den tiefen
verlängerten
Rücken anlehnen, besonders bei der Stimmgebung, beim Sprechen
und
Singen.
Erlebnis
der Inneren Räume bei Einsatz der Stimme
Zu
Beginn dieses Abschnitts möchte ich Sie um folgendes bitten:
Lesen
Sie einen kurzen Text Ihrer Wahl. Die Wahl sollte auf einen Text
fallen, der Sie interessiert. Es kann ein Gedicht sein - eine Strophe reicht - oder es kann eine Aussage sein, mit
der Sie sich verbunden fühlen.
Lesen
Sie diesen Text mit den Augen, machen Sie sich dabei seine Bedeutung
klar. Dann lesen Sie ihn ohne Stimme, nur artikulierend. Als
nächstes
flüsternd, wobei Sie die Betonung schon innerlich
hören. Erst jetzt
laut, aber vorsichtig, so lange, bis Sie meinen, den richtigen Ausdruck
gefunden zu haben.
Nun
hören Sie Ihrem eigenen Vortrag zu. Es kommt darauf an,
daß Sie Ihrer
eigenen Stimme lauschen als wäre es eine fremde. Welchen Klang
hat Ihre
Stimme?
Während
Sie meiner Stimme auf der Cassette zuhören und die
vorgeschlagenen
Übungen selbst ausprobieren, drücken Sie immer wieder
die Pausentaste.
Voraussetzung
für richtige Artikulation und Klangfülle sind
lockerer Kiefer und
Gesichtsmuskeln sowie bewegliche Zunge. Das hört sich
einleuchtend an,
ist aber keineswegs einfach. Der ganze Mensch spiegelt sich in seiner
Stimme. “Sprich, daß ich Dich sehe!“
sagten die alten Griechen.
Wir
wissen ja, daß man einen Menschen oft mehr an dem
“wie“ seiner
Sprechweise erkennt, als an dem, was er sagt. Und jeder hat sicherlich
schon erlebt, wie der eigene Atem beim Zuhören auf eine
überhastete
oder stockende Sprechweise reagiert.
Sie
werden am besten Grundsätzliches erleben, indem Sie einige
Beispiele aus allen Lautgruppen ausprobieren.
Die
Vollklinger
Wir
beginnen mit den “Vollklingern“. Es sind l m, n, ng
Sie
haben reinen Stimmklang, sind jedoch keine Vokale, weil der Mund an
verschiedenen Stellen geschlossen ist.
Das
“l“
Legen
Sie die Zunge zu einem “l“ an, also die
Zungenspitze leicht hinter die
Oberzähne. Der Unterkiefer fällt. Stellen Sie sich
vor, der ganze
Zungenmuskel hänge wie eine Hängematte.
Als
Vorbereitung saugen Sie langsam unter der Zunge Luft ein. Tun Sie das
nur ein Mal, lösen Sie danach alle Spannung - machen
Sie also eine kleine Pause, der Organismus wird entlastet. Dann
wiederholen Sie denselben Vorgang noch zwei Mal. Das genügt.
Hat im Leib eine Erweiterung
stattgefunden? Und wo? Wenn Sie kein
Anfänger
in dieser Arbeit sind, werden Sie diese Erweiterung bis in die
Bauchtiefe
empfunden haben, und zwar rundherum.
Wieder
legen Sie die Zungenspitze hinter die Oberzähne und atmen die
Luft kurz
mit kleinem Impuls leise tönend aus. Es entsteht das
„l”, das Sie nun
in einem zweiten Schritt - -
ohne Belastung der Halsmuskulatur - - summen.
Der
Rachen wird weit, der Kehlkopf senkt sich. Der Klang beginnt im
Resonanzraum des Leibes, und diese Klangsäule richtet uns vom
Bauch bis
zum Brustbein auf.
Sicherlich
schaffen Sie jetzt ein dunkles “ l“, das aber ein kleines
Licht braucht.
Dafür
müssen wir etwas von dem anderen Pol ins Spiel bringen,
nämlich den oberen Bereich mit den Resonanzräumen des
Kopfes.
Um
dies zu erreichen, dürfen Sie beim „l” - tönen
einen Moment lang die Nase kraus machen. Danach genügt ein
Weiten
der Nasenflügel. Fühlen Sie Luft und Wärme
in der Nase?
In
Ihrem Ton wird sich Dunkel und Hell mischen.
Zum
Üben finden Sie in folgendem Buch für alle Laute
entsprechende Verse: Der kleine Hey - Die Kunst des Sprechens, Neuauflage
1971.
(Für
“l“ Hey, S. 39)
Das
“m“
Allmählich
gehen Sie zum „m „über. Machen Sie sich
klar, daß der Mund sich öffnet,
weil der Unterkiefer vom Kiefergelenk aus senkrecht nach unten
fällt,
und sich gerade so viel hebt, daß sich die Lippen
berühren.
Ein
Grundsatz, der für jede Artikulation gilt:
ein
bewegliches Organ legt sich an ein feststehendes. Beim m z.B.
legt sich die Unterlippe an die Oberlippe. Beim “l”
legt sich die
Zungenspitze an den Zahndamm. Probieren Sie das mit allen Konsonanten
aus. Grundsätzlich gilt:
leichter
Druck so viel wie nötig, aber nicht mehr als nötig.
Versuchen
Sie das „m“ auf diese Weise. Summen Sie das
“m “erst kurz, dann länger.
Erleben
Sie, daß die Schwingungen nach längerem
Üben überall im Körper zu
spüren sind. Tasten Sie die Vibrationen auch von
außen ab, indem Sie
die Hände von den Wangen ab überall leicht an die
Körperwand legen. Das
“m“ können Sie auch gut im Liegen
üben.
Kurze
Silben mit “m“:
mum,
mama, mamu, oma.
Jetzt
“l“ und “m“:
lahm,
Lamm, Lama, Lehm
Mull,
Müll, Mal, Mehl.
Wollen
Sie den Eigenton Ihrer Stimme feststellen, so summen Sie das
“m“ und
drücken dabei in rascher Folge mit Daumen und Zeigefinger
einer Hand
immer wieder die Nasenflügel zu. Ohne mit dem Summen
aufzuhören, lassen
Sie die Nase los. Was bleibt ist das “m“ im
Eigenton Ihrer Stimme,
weder zu hoch, noch zu tief.
(Hey,
5. 42)
„n”
und “ng“
Wir
schließen die Vollklinger an, die nur Kopfklang haben:
“n“ und “ng“.
Der Ausatemstrom wird bei den Nasalen nur durch die drei
Nasengänge
geführt.
Diese
sehr feine Luftführung verträgt nicht den geringsten
Druck auf die
Stimme, braucht jedoch die Rückhaltekraft des Zwerchfells. Die
Lunge
zieht sich langsam schwingend zusammen. Fühlen Sie den warmen
Strom der
Ausatmungsluft in der Nase bis zu den Augen - - alle Schleimhäute und die
Kopf resonanz werden belebt.
Bitte
probieren Sie aus, in welchem Bereich des Kopfes die Schwingungen beim
“n“ und in welchem beim “ng“
hauptsächlich zu spüren sind.
Eine
gute Übungsmöglichkeit besteht darin, “ n “ und “l“
abwechselnd zu tönen.
„n”“ bringt
festere Artikulation, geht gut in die Nase, ruft Nasalklang und
Nasenresonanz hervor.
Beim
“l“ lösen sich die Zungenränder
von den Zähnen, der Mund geht für den
Luftstrom und den Klang auf; es entsteht Leibresonanz - die Nase muß aber im
Spiel bleiben.
Übung
für das “ng“:
Summen
Sie das “ng “(das ist ein Laut,
das “g“ wird nicht eigens artikuliert).
Das
Gaumensegel, das gehoben werden muß, hat Spannung. Das Heben
der
Mundwinkel unterstützt diesen Vorgang (Gähnspannung,
wie ein innerer
Mund).
Eine
gute Übung:
Summen
Sie weiter das “ng“ und heben Sie bei
geöffnetem ruhigen Kiefer das Gaumensegel mehrmals - es entsteht das
“a“.
Damit
haben Sie schon einen richtig angesetzten Vokalklang.
Zum
Üben einige kurze Wörter mit den bisherigen
Vollktingern:
lang,
lange, Lunge, ling
nun
meinen Namen nennen
Nauen
mahlen
(Hey,
S. 41)
nein,
nie Lehnen, anlehnen leihen,
Leinen
Launen, lohnen, Hellenen
Lohnen
Helenes Launen ? Nein, nie!
Die
Halbklinger und Strömungskonsonanten
Die
Halbklinger sind: „w”
stimmhaftes“”
„s”“ und“” „sch”
„j”
und „v”
Sie
sind halb Klang, halb fließendes Luftgeräusch. Die
Grundlage der Halbklinger sind die Frikative f stimmloses “s“ und
“sch “, (i)
„ch”
Sie
werden “Strömungskonsonanten“,
“Zischlaute“, “Reibelaute“ und
“Geräuschlaute“ genannt, da sich. die Luft
hörbar an der hemmenden
Artikulationsstefle reibt, wodurch der Laut entsteht. Zu diesem
Geräusch kommt nun der Stimmklang. Dadurch werden Spannung
(Rückhaltefunktion in der Atemmuskulatur) und Vibrationen
verstärkt.
Können
Sie spüren, daß wieder verschiedene
Körperräume angesprochen werden?
Üben
Sie den Übergang vom “f “ zum “w“:
zunächst
ausatmen (falls Sie das im Eifer des Übens vergessen, gelingt
es nicht) . Dann,
ohne neu einzuatmen, ansetzen zu einem ganz kurzen
„f“. Sie haben dafür
immer genug Restluft in der Lunge, dann lösen, Pause, frei
atmen.
Wiederholen!
Neu
ansetzen zu einem ebenso kurzen „s”.“. Sie
werden merken, daß man ein Mitgehen der inneren Muskulatur
bis ins
Gesäß spüren kann, und daß es
sich bei den beiden Lauten etwas
verschieden anfühlt. An der Stelle, wo Sie dieses tiefste
Mitgehen in
der Gesäßmuskulatur und an der Bauchdecke gemerkt
haben, setzen Sie nun
das “f“ ( Unterlippe an Oberzähne)
an und richten sich mit dem verlängerten Atemstrom auf.
Bis
zum Brustbein erleben Sie so einen verlängerten,
geführten Atem.
Als
Hilfe: stellen Sie sich einen Baumstamm oder ähnliches vor und
verfolgen Sie ihn von unten nach oben. Mehrmals. Dazwischen gut
lösen.
Auf
halbem Weg der inneren Streckung fädeln Sie die Stimme ein - aus dem “f“
wird ein “w“.
Wo
spürten Sie die “w”-Vibrationen am
meisten? Wurde das Brustbein von
innen gehoben? Spürten Sie auch den zunehmenden Krafteinsatz
der
inneren Muskulatur? Er ist an den Flanken zu spüren.
Wörtervom
“f“ zum “w“:
Auf -
Wand, Auf - - wind,
auf - - wecken, auf - - wachen
Vergleich
von “f “
- Wörtern
mit “w“ - Wörtern:
fort - Wort, Feld - Welt
Fuchs - - Wuchs, fliegen - - wiegen
Fragewörter
lassen offen:
wo,
was, wann, wer, wem, usw.
„w” “- Wörter
haben Bewegung:
Wasser,
Wogen, Wellen, Wind Wipfel, Wald, Wälder, (Hey, Vers 3.45)
Das
gleiche mit “s“: vom stimmlosen zum stimmhaften “s“.
Also:
erst kurz ansetzen und den Atemansatz spüren. Dann den
verlängerten
Atemstrom von diesem Ansatz ausgehend von unten nach oben. Als
nächsten
Schritt nehmen Sie auf halbem
Weg die Stimme dazu.
Wörter
hierfür:
Aussage,
Aussicht, Aussuchen, Lossagen
Ein
Satzfür “s“:
Susi
saß im Sessel und las im Museums-Journal, und:
Hey,
Verse S.48 und 49.
Zuletzt
alle Klinger im Hey, Vers S.46, beginnend mit:
“Leeren
Wahn wohl will man nennen...“
Die
Explosive
Vom
Strömungskonsonanten zum Explosivkonsonanten.
Lassen
Sie den Atem zunächst auf „sch”
ausströmen, wie Sie es bei den
Strömungskonsorianten als Vorbereitung für die
Halbklinger schon geübt
haben. Setzen Sie diesmal das „sch” erst ganz kurz
impulshaft an,
kräftig aber nicht stoßend, um zu spüren,
wo der muskuläre Ansatz
dieses Lautes ist. Das “ sch “wird ziemlich tief
im Becken zu spüren sein.
Von
dort lassen Sie das „sch“ weich strömend
aufsteigen.
Die
Ausatmung wird verlängert. Lösen Sie am Ende mit dem
kleinen Nachhauch und atmen dann erstmal frei durch.
Eine
Vorstellung kann helfen: Es ist, als lägen Sie am Strand und
würden von einer Welle von den Füßen an
überspült - die Welle verläuft
schließlich, das wäre ein Bild für den
kleinen Nachhauch.
Vergessen
Sie nicht, zum Schluß Zungen-, Kiefer- und Leibspannung
herzugeben.
Atmen
Sie erst frei durch, bevor Sie weiter probieren.
Ein
neuer Schrift: am Ende des „sch”-Stromes
schließen Sie weich die
Lippen, so daß sich die Luft hinter dem Lippenpaar sammelt.
Das ist ein
ganz kurzer Augenblick.
Lassen
Sie nun die Lippen durch die nachdrängende Luft aufsprengen
und
formen Sie ein “O“ oder ein
“o“. Also
“sch sch sch po“.
Gelingt
es Ihnen, so spüren Sie, daß das „po„
ohne Engnis im Halse entsteht, die Stimme also offen bleibt und Ihre
Flanken sich impulshaft dehnen. Zwerchfell und Lunge federten also bei
der Ausatmung in einer Einatmungstendenz zurück, weil ein Teil
der Luft
nicht nur nach außen, sondern auch nach innen wie ein Ball
auf das
Zwerchfell zurückgeworfen wird.
Das
gilt für alleExplosive: “p - b“ ‚ “t - d“, “k - g“.
Alle
brauchen diesen Krafteinsatz des Zwerchfells, sie sind sozusagen
Pfeffer und Salz der Sprache.
Das
strömende „sch” hilft erst den
Überdruck
abzugeben. Nun üben wir ohne diese Vorbereitung “p - b“.
Stoßen
Sie die Laute nicht heraus, das würde die
Rückfederung verhindern und
den Klangkanal für den nachfolgenden Vokal verengen. Versuchen
Sie
ebenso: “sch - t“
und “s - k“.
Wörter dazu:
Spuck,
Spaß
Puck,
Paß
Stube,
Stand, Stute, Stadt
Tube,
Tand, Tute, Tat
Skan,
Sketch, Skaggerak, Skalpell
Kate,
Kann, Catch
(Hey,
Verse S.52 An- und Auslaut-St; S. 60, 61 “t“,
“d“; S. 55 “k“)
Die
Vokale
Vokale
sind Öffnungslaute: Mundhöhle und Rachenraum bilden
eine Einheit und
sind mit Luft und Klang gefüllt. Die Raumtorm der
Mundhöhle und des
Rachens sowie Schwingung und Spannung der Stimmlippen geben der
ausströmenden Luft die unterschiedliche Klangfarbe.
Der
Klang sollte mit der Atemluft aufsteigen - ungehemmt,
ungepreßt und klar. Dazu brauchen wir einen weiten Rachen und
einen
tiefgestellten Kehlkopf. Der Klang beginnt schon unter den Stimmlippen,
weil bereits die darunterliegende Luftröhre mitschwingt. Die
Rachenwand
hinter dem Gaumensegel weicht zurück; keine Engnis bis zum
Kehlkopf,
sondern eine weite Röhre.
Es
gibt verschiedene Möglichkeiten, die richtige Einstellung der
feinspielenden Muskulatur des Rachens für die
Vokalöffnung zu
erreichen. Wir versuchen das jetzt.
Erste
Möglichkeit:
Sie
atmen erst aus und lösen. Nun öffnen Sie den Mund zu
einem“ a
“ohne Stimme.
Was
tat sich dabei? Konnten Sie merken, wie sich Ihre Lunge durch das
Öffnen dehnte? Probieren Sie das noch einmal. Falls Sie nach
dem
Ausatmen und Mundschließen nicht wirklich alle Spannung
hergeben,
gelingt es Ihnen nicht.
Öffnen
Sie den Mund erneut zu einem “ a “ ohne
Stimme, diesmal mit leichtem Hochziehen der Mundwinkel beim
Öffnen. Das
Gaumensegel hebt sich mit. Wir können uns das Gaumensegel als
“inneren
Mund“ vorstellen, der den Eingang zum Rachenraum bildet.
Sie
summen erst den Vollklinger “ ng “ und heben dann kurz das
Gaumensegei - ein“ a“
entsteht. Nun erst lösen; falls Sie das beim Üben - auch der
nachfolgenden Beispiele - im
Eifer vergessen, gelingt es nicht. Wenn Sie die Übung
wiederholen,
werfen Sie den Ton hoch in den Schädel. Jetzt öffnen
Sie wieder den
Kiefer, indem Sie ihn senkrecht fallen lassen und halten ihn offen. Die
Zungenspitze bleibt hinter den Unterzähnen, so daß
der Zungenmuskei
weich vorgestreckt ist. Wiederholen Sie das richtig gebildete ng
“einige Male hintereinander mit der anschließenden
Öffnung. Lassen Sie
wirklich jedesmal den “a “- Ton frei verhallen, ehe sie von
neuem mit dem “rg“ ansetzen.
Auch
mit „ng“
und “nk“ üben:
lange,
Lanke, bange, Banke
bangen,
Verlangen (Hey, Verse S. 41)
Zweite
Möglichkeit der Rachenöffnung:
Das
„ch” (wie in “ach‘) wird wie
das „ng” kurz vor dem Gaumensegel gebildet.
Sie
können zur Öffnung danach kommen, indem Sie erstmal
die halbe Reihe der
Strömungskonsonanten, “f - s - sch” erst
langsam, dann rasch üben, dann
die ganze Reihe: “f - s - sch - ch(1) -- ch(2) (1 = z.B. wie in
“ich“; 2 = z.B. wie in
“ach“) und zuletzt nach dem
„ch” den Gaumen heben, um mit einem Hauch zu enden.
Oder
Sie heben nach der Artikulation des “ch“ wieder das
Gaumensegel zu einem “a“.
Silben
und Wörter zu dieser Übung:
a -- cha, Achat, Machandelbaum
wach
auf, mach an, lach an
nachahmen,
Wachau, Walachei a
m Bach
auf der Wiese
Dasselbe
mit
„ch
-ä” (offenes
“e“)
„ch
- e“(unbetont)
Weitere
Beispiele:
Sache,
lache,
lachen,
wachen, Sachen
da
muß man ja lachen
Beispiel
mit Vorsilbe:
be -
achten, ver - achten, ge - achtet
Wenn
das einigermaßen gelingt, suchen Sie sich a - Verse aus dem
Hey heraus.
Dritte
Möglichkeit: ~.Stellen Sie sich zuerst nur den
Vokal vor und atmen mit ihm ein und aus.
Vergleichen
Sie zum Beispiel “u“ und “o“.
Welcher
Raum des Körpers wird angesprochen?
Wenn
Sie jetzt vorsichtig und leicht tönen bei einer guten Raumform
des
Mundes, kann der Ton ungehindert in einer weiten Klangsäule
aus dem „u”
- oder „o” - Raum aufsteigen.
Im
weiten Rachen schwingen die Stimmlippen im tiefgestellten Kehlkopf. Die
Flanken öffnen sich. Die Bauchdecke zieht sich zum
Schluß zurück, ehe
sie sich löst.
Vierte Möglichkeit:
Glottisschlag
In
Anlehnung an die Lippen des Mundes wird der zweigeteilte Muskel im
Kehlkopf als “Stimmlippen” bezeichnet. Die
Stimmlippen nennt man auch
“Glottis“. Die Glottis öffnet sich bei der
Einatmung und schließt sich
bei der Stimmgebung und schwingt.
Wir
üben zunächst den sogenannt
“Glottisschlag“, das Zusammenschlagen der beiden
Stimmlippen ohne Ton.
Dafür
öffnen Sie den Mund - also Kiefer fallen lassen. Das
“a“ erfordert die größte Weite.
Wenn
Sie ein eben einsetzendes Gähnen unterdrücken,
können Sie diese
Schlundweite die im hinteren Bereich des Rachens liegt, erleben. Also:
den Mund nicht etwa vorne aufreißen!
Versuchen
Sie diese Öffnung zu halten, wobei die Luft unter den
Stimmlippen
zurückgehalten wird. Warten Sie nun einfach ab, bis die Luft
von
alleine durchschlägt Sie können den Glottisschlag bei
allen weiteren
Vokalöffnungen des Mundes versuchen.
Verhältnismäßig leicht gelingt es
beim offenen und geschlossen „o”.
Wenn
Sie darin sicher sind, können Sie die Stimme an dieser Stelle
behutsam einsetzen:
„o
- - - - -”
„O
- - - - -”
Diese
Vorsicht erreichen Sie dadurch, daß Sie sich den Hauchlaut
„h” vor dem
Vokal vorstellen. Achten Sie darauf, daß Sie den Vokal
trotzdem nicht
verhauchen. Zum Üben nehmen Sie den “h” „- Vers aus dem Hey, S. 59.
Anschließend
an diesen Hauchlaut gehen Sie zu einer kleinen Melodie auf
„o” über:
„o”
- singen
Die
Stimme schwingt jetzt.
Wenn
das gelingt, suchen Sie sich “a” “- Verse aus dem Hey heraus, z.B.:
Barbara
saß nah am Abhang.
Zuerst
sprechen Sie die Verse, anschließend sprechen Sie nur die
“a” -Laute im Rhythmus, das ist dann wie lachen:
„a”
- „a” - „a” -
„a” - „a” -
Nase
- Stirnhöhle
Sprache
kann Gesang sein im Eigenton der Stimme und nicht nur mehr oder weniger
herausgepreßte Laute. Der Klang der Vokale beim Sprechen
muß wie der
Klang des Gesangstones in der Nase sein.
Das
beginnt schon mit der Öffnung der Nase bei der Einatmung, so
als wolle
man einen schönen Duft einlassen. Die Weite der Nase
muß für den Ton
beim Gesang und ebenso beim Ton des Vokals beim Sprechen offen bleiben.
Der Klang muß über dem Gaumendach sein und wieder
mit der Nase
angesaugt werden. Dies erreichen Sie nur durch völlig
gelösten
Unterkiefer, gelöste Zunge, Wangen bzw. Kaumuskeln und die
Lösung aller
Kehlmuskeln. Und Sie erreichen dies ansaugen des Tones nur, wenn die
Atemsäule in Ihnen völlig ruhig stehen bleibt und
sich so anfühlt, als
würden Sie während des Vokaltones nicht ausatmen.
Am
besten, Sie stellen sich eine Klangsäule in sich und um sich
herum vor,
in der sich der sogenannte Austausch der Lüfte vollzieht.
Atem
und Lautbildungen beim Sprechen
Die
folgenden Lautbildungen können Sie im Liegen, im Sitzen oder
auch im Stehen machen.
Geben
Sie den Atem frei, halten Sie ihn nirgends fest.
Sie
erinnern sich: Die Übergänge zwischen Ein- und
Ausatmung sollten rund
sein. Die Ausatmung sollte länger dauern als die Einatmung.
Immer
erfolgt ganz natürlich am Ende der Ausatmung ein Nachgeben.
Sie können
dem Ausatem vielleicht besser folgen, wenn Sie einen
Strömungskonsonanten, zum Beispiei “fff“
oder „s s s” mit einem
Explosivkonsonanten davor benutzen, den Sie ganz kurz ansetzen.
Während
Sie dem Atem so folgen, werden die Gedanken leicht abschweifen.
Deswegen zählen Sie jeden Atemzug, bis Sie zwölf Mal
aus- und
eingeatmet haben und beginnen wieder mit eins, bis sich die Gedanken
beruhigt haben. Das machen Sie stumm für sich.
Nun
gehen Sie zu den Sprachlauten über und zählen laut
von eins bis zwölf.
Dabei beachten Sie den Endlaut mit dem kleinen Nachhauch, der eine
Kieferlösung zur Folge hat.
eins
- das “s“ ausströmen lassen zwei - kleine Offenheit nach dem Endvokal,
Kiefer gibt nach, Hauch in die Wärmehülle um den
Körper schicken
drei -
genauso wie bei der zwei
vier -
“Rachen-r“ nur andeuten fünf - das “f“
ausströmenlassen
sechs
- das “s“ ausströmen lassen
sieben
- das “n‘ ausschwingen lassen
acht -
kurze Abspannung nach “t“
neun -
das “n“ ausschwingen lassen zehn - das
“n“ ausschwingen lassen
elf -
das “f“ ausströmenlassen zwölf - das
‘l“ ausströmenlassen
Wenn
Laute am Ende der Ausatmung stehen, muß die Artikulation
nicht
festgehalten werden, vielmehr vollendet an der Artikulationsstelle ein
kleiner Nachhauch die Ausatmung und sorgt für eine gute,
notwendige
Abspannung. Zäsuren sind keine Unterbrechung des Atemstroms,
sondern
nur ein kurzes Absetzen, wobei das Zwerchfell kurz
zurückfedert und die
Lunge, in ihrer elastischen Zusammenziehung einen winzigen Augenblick
lang aufgehalten, ebenfalls zurückfedert
Spüren
Sie, daß auch die Bauchwand sich federnd
zurückzieht, ihre
elastische
Spannung bewahrend? Denn die Bauchmuskulatur bildet
Haltekraft
für den Atemstrom.
Zählen
Sie nun mit anschließendem Nennen von Begriffen, zum Beispiel
Tieren Pflanzen, Haushaltssachen etc.
Fangen
Sie mit dem Laut an, mit dem die Zahl endet:
eins - - sage ich
zwei - Eidechsen;
Mund nochmals öffnen, Glottisschlag ist zu hören
drei - Eichhörnchen;
genauso wie bei zwei
vier -
Raben; das “r“ wird artikuliert
fünf - Fische; das
„f“ rüberziehen
sechs
- Säue; das “s“rüberziehen
sieben
- Nattern- das “n“ rüberziehen
acht
- Tauben- das “t“ rüberziehen, es bekommt
nun etwas
mehr und länger Druck neun - Nilpferde- das
“n“
rüberziehen
zehn -
Nebelkrähen- das “n“ rüberziehen
elf -
Füchse
zwölf
- Falter
Eine
erweiterte Übung könnte eine erste kurze Satzbildung
sein,
anschließend an einen von Ihnen gewählten Begriff.
Achten
Sie darauf, beim Überlegen eines Begriffs oder eines Wortes
die Luft
nicht anzuhalten. Bleiben Sie locker und offen, so fällt Ihnen
leichter
etwas ein - in Sie hinein.
Zum
Abschluß eine Zusammenfassung
Was
hat sich schon mehr oder weniger verändert, woran
müssen Sie noch weiter arbeiten?
1.
Kann der Kiefer vom Kiefergelenk aus besser sinken, die Zunge sich
leichter bewegen?
2.
Gelingt es Ihnen, jetzt darauf zu achten, entweder den Druck der
Artikulation zu verringern, der bei manchen von Ihnen zu stark ist oder
die
Form der Lautbildung mit Lippen, Zunge und Kieferöffnung
präziser zu greifen, falls darin Ihre Schwierigkeit besteht?
Der
Nachhauch vervollständigt die Ausatmung an der
Artikulationsstelle des
letzten Lautes. Die Kieferlösung erleichtert den Nachhauch.
3.
Wurde der Rachen freier?
Rutscht
der Kehlkopf beim Sprechen nicht mehr zu hoch?
4.
Sie sprechen hoffentlich mehr unter der Stimme, mit dem
Gefühl, daß
schon die Luftröhre unter der Stimme im Stimmklang mitschwingt.
5. Und
die Resonanz - ist
sie zu hören und wo jeweils ist sie zu spüren?
6.
Sie erinnern sich: Wir haben in der Einführung die
ausstrahlende Wärme
des Körpers in unsere Ausatmung einbezogen. Nun
füllen Sie diese Wärme
mit Klang.
Können
Sie sich jetzt eine Klangsäule in sich und um sich vorstellen?
In
dieser Klangsäule findet der sogenannte “Austausch
der Lüfte” statt.
Also nach innen wie nach außen sprechen!
7.
Die Sprache ist, so könnte man sagen, Gesang im Eigenton der
Stimme in
drei bis vier Halbtönen in der unteren Oktave der
Sprachmelodie.
Wenn
Sie der Wellenbewegung der Sprache folgen, erleben Sie Haupt- und
Nebenbetonungen. Der Vokal der Silbe, die die Betonung trägt,
wird
einen mehr oder weniger längeren und kräftigeren
Klang haben.
Unser
ganzer Organismus ist so geschaffen, daß wir uns eigentlich
mit Leichtigkeit bewegen könnten - und dazu gehört auch das
Sprechen.
Jede
Bewegung der Gliedmaßen, der Muskeln, der Organe steht uns
auf schönste
Weise zur Verfügung, falls Sie den rhythmischen
Spannungswechsel in
Atmung und Gesamtmuskulatur bei allem, was Sie tun immer besser erleben.
Lernen
Sie sich den jeweiligen Anforderungen mit einem angemessenen
Spannungsniveau anzupassen. Versuchen Sie sich das bewußt zu
machen,
bewegen Sie Ihre Gedanken in diese Richtung.
Zum
Schluß können Sie den von Ihnen anfangs
gewählten Text noch einmal
wiederholen. Sie werden sicherlich feststellen daß sich schon
manches
verändert hat und besser klingt. Der Klang sollte Ihre
Orientierung
sein.
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